Pressetermin eine Woche vor der Premiere von „PROJEKT TELL“ in Wetzlar
Wie können Menschen auf dem Weg zurück in Arbeit gestärkt werden? Das Kommunale Jobcenter Lahn-Dill setzt dabei auf innovative Ansätze und verbindet in dem Arbeitsmarktprojekt „JobAct to Connect“ klassische Integrationsarbeit mit Theaterpädagogik, Sprachförderung und betrieblicher Praxis.
Eine Woche vor der Premiere des Theaterstücks „PROJEKT TELL – von der zumutung freiheit zu denken“ gewährten die Teilnehmenden und das Projektteam Einblicke in die Arbeit. Seit Februar 2026 entwickeln zwölf arbeitsuchende Menschen aus fünf verschiedenen Herkunftsländern gemeinsam neue berufliche Perspektiven. Neben Bewerbungstraining, Praktikumssuche und sozialpädagogischer Begleitung bildet insbesondere die Theaterarbeit einen zentralen Baustein des Projekts.
„Viele haben viel Schweres im Gepäck“, berichtet Sozialpädagogin Christine Heymer über die unterschiedlichen Lebenssituationen und Geschichten der Teilnehmenden. Sie begleitet ihre individuellen Themen wie Praktika, Arbeitssuche, Sprachkursaufnahme und die Anliegen, welche vor einer Arbeitsaufnahme geklärt werden müssen. Gemeinsam mit dem Theaterpädagogen Jürgen Fritz, setzt sie das Projekt in Wetzlar um.
Durch die intensive Arbeit mit Sprache, Ausdruck, Körpersprache und gemeinsamer Bühnenpräsenz werden Kommunikationsfähigkeit, Selbstvertrauen und Teamkompetenzen gestärkt. Fähigkeiten, die nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Berufsleben von großer Bedeutung sind.
„Menschen in Arbeit zu begleiten, bedeutet mehr als die Vermittlung von Fachkenntnissen oder das Verfassen von Bewerbungen. Es geht auch darum, Selbstvertrauen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Stärken neu zu entdecken. Genau hier setzt JobAct an“, betonte Julia Ströher, Bereichsleitung Vermittlung des Kommunalen Jobcenters Lahn-Dill, beim Pressetermin.
Dr. Rebecca Neuburger-Hees, Sozialdezernentin des Lahn-Dill-Kreises und Verwaltungsratsvorsitzende des Kommunalen Jobcenters Lahn-Dill, hob die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts hervor: „Hier kommen unterschiedliche Menschen zusammen mit verschiedenen Herkünften, Geschichten und Sprachen. Im konkreten Fall von JobAct to Connect sind es sieben verschiedene Sprachen, die hier gesprochen werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen voneinander und arbeiten gemeinsam an einem Ziel. Dabei entstehen neue Kontakte und oft auch neue Perspektiven.“
Die bevorstehende Premiere ist weit mehr als ein kulturelles Ereignis. Sie markiert den Höhepunkt eines mehrmonatigen Entwicklungsprozesses, in dem die Teilnehmenden nicht nur ein Theaterstück erarbeitet, sondern zugleich wichtige Kompetenzen für ihren weiteren Berufsweg aufgebaut haben.
Gleichzeitig soll die öffentliche Aufmerksamkeit rund um die Aufführungen auch Arbeitgebende erreichen. Damit das wesentliche Ziel des Projekts mit umgesetzt werden kann: die Vermittlung in Beschäftigung oder Praktikumsplätze. Bereits während der Projektlaufzeit konnten erste Kontakte zu Betrieben geknüpft werden. Eine teilnehmende hat bereits ein zweimonatiges Praktikum zugesagt bekommen.
Stimmen der Teilnehmenden
Eine Teilnehmerin aus der Ukraine berichtet, was ihr das Projekt bisher gebracht hat: „Jetzt habe ich keine Angst mit Menschen deutsch zu sprechen. Neue Erfahrungen hier helfen bei dem Weg zur Arbeit.“ Sie erzählt freudig weiter, dass ihre Sprache sich deutlich mit JobAct verbessert habe.
Ein Teilnehmer teilt mit den Anwesenden, dass seine psychische Belastung enorm zurückgegangen sei und er keinen einzigen depressiven Tag seit Projektstart gehabt habe: „Ich bin jeden Tag motiviert an der Arbeit. Ich habe alte und neue Seiten von mir entdeckt und neue Perspektiven sind entstanden.“
Infokasten:
Über das Projekt
Das Projekt wird vom Kommunalen Jobcenter Lahn-Dill finanziert und gemeinsam mit der PROJEKTFABRIK gGmbH aus Witten umgesetzt. Die Projektverantwortlichen verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Kunst wird als Bildungsprinzip verstanden und gezielt eingesetzt, um persönliche Entwicklung und berufliche Integration miteinander zu verbinden.
Über das Theaterstück
„PROJEKT TELL – von der zumutung freiheit zu denken“ ist eine freie Interpretation von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“, bei der der Theaterpädagoge des Projekts Jürgen Fritz Regie führt. Die Inszenierung greift Fragen nach gesellschaftlichem Zusammenhalt, kultureller Vielfalt und Dialogfähigkeit auf. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Erfahrung begegnen sich in einem offenen szenischen Raum und setzen sich mit Differenz, Toleranz und der Möglichkeit eines gemeinsamen Miteinanders auseinander.
Aufführungstermine
Dienstag, 30. Juni 2026, 19:00 Uhr
Mittwoch, 1. Juli 2026, 19:00 Uhr
Untere Stadtkirche
Schillerplatz 8
35578 Wetzlar
Der Eintritt ist frei. Eine Ticketreservierung ist möglich unter www.projektfabrik.org.