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29.01.2021  Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Alleinerziehend im SGB II – Chancen eröffnen und Potentiale entfalten


Alleinerziehende auf Jobsuche stehen häufig vor doppelten Hürden: Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung, geringere zeitliche Flexibilität und oftmals kein Backup, wenn ein Kind krank wird. Gerade in der Corona-Krise wirken sich diese strukturellen Nachteile besonders deutlich aus. Den – weit überwiegend weiblichen – Alleinerziehenden, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) beziehen, gilt das besondere Augenmerk der hessischen Kommunalen Jobcenter. Dort weiß man, dass dem Integrationserfolg häufig nicht die fehlende schulische oder berufliche Qualifizierung entgegensteht. Im Gegenteil: Hier spricht die Statistik eine klare Sprache. Alleinerziehende Arbeitslose haben im Vergleich zu den anderen SGB II-Leistungsbeziehenden überproportional gute Schul- und Ausbildungsabschlüsse. Diese Faktenlage lässt unweigerlich darauf schließen, dass es für alleinerziehende Arbeitslose bei gleichen oder günstigeren Voraussetzungen grundsätzlich schwerer ist, eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufzunehmen und dort Fuß zu fassen.

Die Kommunalen Jobcenter in Hessen wissen aus langjähriger Erfahrung, dass es bei Teilen der Arbeitgeber immer noch Vorbehalte gibt, hinsichtlich der Verfügbarkeit und des Ausfallrisikos von Alleinerziehenden. Die Jobcenter sehen eine ihrer wesentlichen Aufgaben darin, mit positiven Beispielen ein Umdenken herbeizuführen. Gerade die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen für flexibles und mobiles Arbeiten in vielen Berufsfeldern. Alleinerziehende Jobsuchende sind eine wertvolle Fachkräfte-Reserve, die der Arbeitsmarkt bislang nur unzureichend abruft.

Frau J., 35 Jahre aus Dillenburg ist alleinerziehend und hat eine vierjährige Tochter. Sie hat letztes Jahr das Projekt Perspektive nach Elternzeit besucht und arbeitet nun bei der Lebenshilfe in Dillenburg.

Das Projekt Perspektive nach Elternzeit ist ein Angebot für Erziehende des Kommunalen Jobcenter Lahn-Dill, welches vom internationalen Bund durchgeführt wird. Es bereitet Frauen oder Männer nach längerer Familienpause sowie in und nach der Elternzeit auf das Berufsleben vor und unterstützt sie intensiv bei der Jobsuche mit verschiedenen Gruppenangeboten, individuellem Coaching und Elementen selbständigen Arbeitens.

Wie kamen Sie in das Projekt Perspektive nach Elternzeit?

„Meine Sachbearbeiterin im Jobcenter hatte mich darauf angesprochen. Da habe ich zugesagt. Mein Ziel ist es natürlich langfristig wieder Vollzeit zu arbeiten. Ich habe es mir angeschaut und es hat mir sehr gut gefallen.“

Was können Sie zu dem Projekt sagen?

„Es wurde sehr gut auf einen eingegangen und für die Kinderbetreuung wurde auch gesorgt. Man versucht in dem Projekt einen Weg in einen Berufszweig zu finden, der zu einem passt. Kein plumpes Bewerbungen schreiben und fertig. Man setzt sich dort gut mit sich auseinander. Man bekommt Zeit, freies Internet und einen Laptop zur Verfügung gestellt. Wenn man dann mal herausgefunden hat in welchem Bereich man tätig sein möchte, kann man gut nach Stellen suchen. Man hat dann auch wirklich die Ruhe sich voll und ganz auf sich zu konzentrieren.“

Sie haben nach zwei Monaten in dem Projekt einen Bundesfreiwilligendienst bei der Lebenshilfe begonnen. Wie kamen Sie dorthin?

„Ich habe im Bereich Pflege und Betreuung nach Stellen geschaut. Ich wusste gar nicht, dass es einen Bundesfreiwilligendienst gibt. Ich kannte nur das FSJ und das ist ja altersbeschränkt. Mir wurde dann im Projekt bei der Bewerbung geholfen. Meine letzte Bewerbung habe ich geschrieben als ich 16 war. Ich habe immer in der Gastro gearbeitet. Es gab noch nie einen Grund zu wechseln. Nach meiner Lehrstelle als Gastronomiefachfrau bin ich dort geblieben. Jetzt mit Kind ist es in diesem Bereich schwer - fast unmöglich, weil man zeitlich eingeschränkt ist. Die Hauptarbeitszeit ist meistens abends und das wäre für mich nicht wirklich machbar gewesen.“

Warum haben Sie sich für einen Bundesfreiwilligendienst entschieden?

„Das Ziel war eine Perspektive zu haben und einen Einblick in den Beruf zu kommen. Darauf kann man dann auch aufbauen.

Für mich ist es gut, da ich als Alleinerziehende dieses Jahr in Teilzeit absolvieren kann. Das passt mit den Betreuungszeiten.“

Was haben Sie danach vor?

„Der Bufdi geht noch bis Dezember dieses Jahr – und es könnte noch auf 18 Monate verlängert werden. Ich würde gerne bei der Lebenshilfe bleiben. Mit der Ausbildung ist es schwierig, da die Schule in Marburg ist. Aber vielleicht ergeben sich andere Möglichkeiten, zum Beispiel kann man dort auch als Quereinsteigerin anfangen.“

Was meinen Sie, was für Alleinerziehende den Einstieg ins Arbeitsleben einfacher machen würde?

„Es hängt immer sehr viel an den Betreuungszeiten. Nicht alle Arbeitgeber stellen einen mit Kind ein. Wenn man die Möglichkeit hat, das Kind wohin zu geben wo es eine gute Betreuung hat, dann geht es viel besser.“

Die hessischen Kommunalen Jobcenter gehen mit maßgeschneiderten Beratungs- und Qualifizierungsangeboten auf die besonderen Bedürfnisse alleinerziehender Leistungsbeziehender ein. Sie werben bei Arbeitgebern für die Potentiale dieser Personengruppe und bauen Einstellungshürden ab. Damit füllen sie weiter das bundesweite Credo der Kommunalen Jobcenter #Stark.Sozial.VorOrt. mit Leben.

Kontakt
Stefanie Rohn
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
+49 6441 2107-5222
stefanie.rohn@jobcenter-lahn-dill.de