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31.07.2020  Presse und Öffentlichkeitsarbeit Stefanie Rohn

Hessische Kommunale Jobcenter in der Corona-Krise: Stark. Sozial. Vor Ort.


Wie es ist, unverschuldet in finanzielle Not zu geraten und nicht zu wissen, wie der monatliche Lebensunterhalt sichergestellt und die Miete aufgebracht werden soll, erfahren während der Corona-Pandemie viele bislang uneingeschränkt Erwerbstätige. Insbesondere bei den sogenannten „Soloselbständigen“ brachen von einem auf den anderen Tag Aufträge und Einnahmen weg.

Mit dem Sozialschutzpaket hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) übergangsweise die Möglichkeit eröffnet, unter erleichterten Bedingungen schnell und unkompliziert Grundsicherungsleistungen nach dem SGB II zu beantragen. Dass dieser Schritt für Viele notwendig war und ist, bezeugt der weit überdurchschnittliche Anstieg der Neuan-tragszahlen in den Kommunalen Jobcentern. Allein in dem Kommunalen Jobcenter Lahn-Dill haben 45,5 % mehr Menschen einen Antrag auf ALG II („Hartz IV“) stellen müssen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Wie die Akteure des Gesundheitswesens arbeiten auch die Kommunalen Jobcenter und deren Mitarbeitende systemrelevant, motiviert und unermüdlich daran, den Bürgerinnen und Bürgern so schnell wie möglich zu helfen. Um diese Aufgabe zu bewältigen, haben die Verantwortlichen mit dem Lock-Down Mitte März „über Nacht“ interne Arbeitsprozesse an die neue Situation angepasst.

Da keine persönlichen Gespräche an den Standorten mehr stattfinden konnten, setzten die Kommunalen Jobcenter verstärkt auf Beratung per Telefon und E-Mail. Die Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktförderung, die Betreuung der Kunden im Zusammenhang mit der Eingliederung in den Arbeitsmarkt und auch die soziale Betreuung haben die Kommunalen Jobcenter teilweise unter verstärkter Zuhilfenahme digitaler Medien und Formaten wie Videokonferenzen aufrecht erhalten. Nach dem Lock-Down galt es, Qualifizierungen und Maßnahmeangebote gemäß den Gesundheitsschutz-Richtlinien schrittweise wieder zu reaktivieren.

„Wir bedanken uns für den guten Austausch mit den Maßnahmeträgern und allen Multiplikatoren in der Region. Nur gemeinsam kann es gelingen im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten die Menschen in der Region bestmöglich zu begleiten und zu stärken.“ Peter Dubowy, Vorstand Kommunales Jobcenters Lahn-Dill

Oberste Prämisse während der Corona-Krise war, dass kein Leistungsempfänger eines Kommunalen Jobcenters verloren geht bzw. seine Ansprüche nicht geltend machen kann.

Das Kommunale Jobcenter Lahn-Dill hat schnell auf die Situation reagiert. Eine neu einge-richtete zweite Telefonzentrale erhöhte deutlich die Erreichbarkeit während sich die Anrufe in der Erstberatung von Mitte März bis Ende Mai etwa verdoppelt haben. Personelle Kapazi-täten wurden im Haus umverteilt. Neuantragsstellende erhielten schnelle Informationen und Anträge konnten ohne verlängerte Wartezeiten für die Kundinnen und Kunden bearbeitet werden. Ein neues Online-Portal vereinfacht das Versenden von Unterlagen.

„Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter galt es sich schnell in neue Themen einzuarbeiten und trotz Home-Office und neuer Technik gut vernetzt zusammen zu arbeiten. Oberstes Ziel unserer Arbeit war eine bestmögliche Begleitung und Stärkung der Menschen in der Region während dieser Krisensituation.“ Marlies Polkowski , Vorstand Kommunales Jobcenters Lahn-Dill

Positive Rückmeldungen von Beratungseinrichtungen und Kundinnen und Kunden zeigen, dass es dem Kommunalen Jobcenter Lahn-Dill gelungen ist, die meisten Anliegen von Kun-dinnen und Kunden zu bearbeiten.

„Rund 200 Selbständige konnten in den vergangenen Monaten – von März bis Juli ihren Lebensunterhalt durch SGB II Antrag absichern.“ Bereichsleiter Reiner Gail

Während dieser Zeit hat eine Arbeitsgruppe im Haus eine Broschüre für Selbstständige zusammengestellt. „Selbstständig durch die Krise“ hilft selbstständigen Personen dabei gestärkt aus der Krise hervorzugehen und einen Weg für sich zu entwickeln, um ihr Unternehmen wieder auf einen guten Weg zu steuern und damit auch langfristig unabhängig von staatlichen Unterstützungen zu sein.

Selbständigkeit war schon immer eine besondere Herausforderung für Menschen die ihre berufliche Zukunft selbst in die Hand nehmen. Diese Herausforderung wird in einer Krise besonders deutlich. Wenn äußere Umstände ein laufendes Gewerbe gefährden, bleibt dem Menschen oft keine andere Wahl als nach Hilfe zu suchen. Dies ist durch Corona so ge-schehen und nicht jeder hat nach den Lockerungen wieder den Weg aus dem Hilfesystem gefunden.

Wir haben mit einigen Selbstständigen Gespräche geführt und gefragt wie Ihre Situation war, warum Sie sich an das Jobcenter gewendet haben und wie es Ihnen jetzt geht. Viele verschiedene Berufsgruppen waren und sind noch betroffen. Jede Person hat eine eigene Geschichte und alle waren dankbar für die schnelle Unterstützung. Manche sind mittlerweile nicht mehr auf die Unterstützung angewiesen und unabhängig von Leistungen geworden, andere haben noch mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen und hoffen, dass es bald besser wird.

Frau S. Mediengestalterin, Lahn-Dill-Kreis, hat zwei erwachsene Kinder, Quereinsteigerin hat sich 1997 selbstständig gemacht. Sie gestaltet mit verschiedenen Programmen für zwei Verlage Bücher von innen. Wegen fehlender Aufträge war ihre einzige Möglichkeit der Antrag Mitte April 2020 SGB II Grundsicherung, um nicht Insolvent zu gehen.

„Mit Corona sind die Aufträge weggebrochen. Die Autoren schreiben zwar noch, aber die Buchverlage haben geschlossen und somit kamen Umsatzeinbrüche. Viele Kunden möchten, wenn Sie Bücher kaufen, sie auch in die Hand nehmen und fühlen bevor sie die Bücher kau-fen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Läden aufhaben. Ich arbeite für zwei verschiedene Verlage. Viele Aufträge verzögern sich.

Ich habe vor ein paar Tagen das erste Projekt für diesen Monat erhalten, bekomme es aber erst im Winter bezahlt. Es gilt also noch mindestens zwei Monate zu überbrücken. Der andere Verlag hatte bis vor Kurzem geschlossen und es läuft jetzt alles nur langsam an.

Zwei Kollegen haben ihren Job verloren. Wir kommen zum Glück mit einem blauen Auge da-von. Alles hängt jetzt davon ab, ob die Leute kaufen.

Ich hab zwar von der Corona-Hilfe mitbekommen – diese 10.000€. Meine erste Reaktion war: Na toll, typisch – ich falle hier raus. Ich habe keine Angestellten und der Rest trifft auch nicht auf mich zu. Meine Steuerberaterin hatte sich gut informiert und sagte dann: ‚Es hilft alles nichts sie müssen Grundsicherung beantragen. Melden Sie sich beim Jobcenter.`

Hartz IV? Na toll, da kann ich ja gleich aus meiner Wohnung ausziehen und so weiter. Sie erklärte mir das wäre in dem Fall nicht so.

Zu den Mitarbeitern vom Jobcenter muss ich sagen: Kompetente Hilfe, freundlich und geduldig und selbst blöde Fragen wurden schnell beantwortet. Es war durch die Bank weg eine exzellente Betreuung. Die Begleitung, Infos, Hilfen waren toll.

Es lief alles wie auf Scheinen und ging relativ schnell. Gut, dass das so gelaufen ist, sonst hätte ich Insolvenz anmelden müssen. Ich habe wieder ein paar Aufträge und hoffe bald ohne die Unterstützung auszukommen. Es läuft langsam an, sieht aber gut aus.“

Herr K., 48 Jahre, wohnt in Aßlar und ist seit 2013 mit einem Restaurant selbständig. Er hat für 10 seiner Mitarbeitenden Kurzarbeitergeld beantragt und auch Hilfe für Selbständige beim RP Kassel beantragt. Für die eigene Familie (Ehefrau und 2 Kinder) hat beim Jobcenter Antrag auf ALG II gestellt.

„Man lernt von seinen Erfahrungen. Ich habe aber noch nie so schlechte Erfahrungen gemacht wie jetzt: Finanziell, geschäftlich und gesundheitlich betrachtet wie in der jetzigen Zeit.

Für mich war Weltende. Ich muss jetzt alles versuchen. Ich dachte mir Fragen kostet nichts also habe ich Kontakt mit dem Jobcenter aufgenommen.Ich wusste gar nicht, ob es machbar ist und es war möglich. Über die Unterstützung vom Jobcenter habe ich mich sehr gefreut. Allein die Miete und Privates geregelt zu bekommen hilft schon viel.

Wir haben 30% bis 40% weniger Gäste. Manche Leute haben immer noch Angst. Wir arbeiten trotzdem jeden Tag und halten Abstand. Die Angst ist aber da. Die Hilfen vom Jobcenter haben nicht alles- aber viel gerettet. Wir sind noch am Kämpfen. Noch ist es schwer, aber es hilft sehr sich gut betreut zu fühlen von den Mitarbeitern des Job-centers.“

Herr A., 40 Jahre, hat 2015 in Deutschland Asyl beantragt. Er war als Koch in verschiedenen Restaurants tätig. Im Jahr 2017, nach 2 Jahren Integrationsmaßnahmen, hat er bis Januar 2020 einen arabischen Lebensmittel-Markt geführt. Danach ist er mit seiner Familie nach Dillenburg gezogen. Im Frühjahr 2020 eröffnete er seinen eigenen arabischen Imbiss. Er hat eine Ehefrau, 4 Kinder (9, 6, 4 Jahre sowie 2 Monate alt).

„Der Grund für den Umzug nach Dillenburg ist, dass ich in Dillenburg einen passenden Imbiss und eine angemessene Wohnung für mich und meine Familie gefunden habe.

Ich hatte, bevor ich anrief, zwei Möglichkeiten: Entweder ich gebe alles auf oder ich laufe den Weg weiter und versuche vom Jobcenter Hilfe zu bekommen. Die Mitarbeiter des Jobcenters Lahn-Dill hatten volles Verständnis für mich und meine Situation und haben mir sorgfältig zu-gehört und jede mögliche Hilfe angeboten.

Während ich mich auf die Eröffnung des Imbiss´ vorbereitete, damit ich am 01.03.2020 den Imbiss eröffnen konnte, kam die Corona-Krise. Ich war auf die Hilfe vom Jobcenter angewie-sen, aufgrund der vielen und hohen Rechnungen, die ich begleichen musste.

Ich habe das Corona-Hilfe-Paket beantragt, aber da ich den Imbiss noch nicht geöffnet hatte, wurde es abgelehnt. Danach habe ich Leistungen beim Jobcenter beantragt und da wurde mein Problem verstanden und ich habe die benötigte Hilfe vom Jobcenter und den Mitarbeitern be-kommen, sodass ich auf eigenen Beinen stehen konnte und mein Imbiss mit arabischer Küche in Dillenburg Mitte Juli eröffnen konnte.

Ich bedanke mich beim Jobcenter Lahn-Dill und den Mitarbeitern für die Hilfe, die ich erhalten habe, in Zeiten wo ich dringend Hilfe brauchte. Mit dem Imbiss geht - Gott sei Dank - alles vorwärts. Meiner Familie geht´s gut. Mir geht’s einigermaßen gut. Ich kann noch laufen und auf meinen Beinen stehen.

Ich empfehle allen geflüchteten Menschen ihren eigenen Weg zu gehen und eine Arbeit zu fin-den, auch wenn das am Anfang sehr schwierig ist, denn nur wer hart arbeitet und sein Bestes gibt, erreicht auch sein Ziel. Ich beziehe noch Leistungen vom Jobcenter, weil ich den Zeit-punkt noch nicht erreicht habe, in dem ich mich und meine Familie versorgen kann und der Imbiss ist noch neu und ich brauche Unterstützung bis ich alles in den Griff bekomme und komplett selbstständig und eigenständig bin.“


Die Kommunalen Jobcenter stellen in der Krise ihre hohe Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit unter Beweis. Sie reagieren schnell, innovativ und anpassungsfähig auf die veränderten Bedingungen. Mit ihren lokalen Partnern wie zum Beispiel Trägern der Arbeitsmarkförderung, Wirtschaftsförderung und sozialen Beratungsstellen finden sie schnelle Lösungen. Über allem steht das Credo der Kommunalen Jobcenter in ganz Deutschland: #Stark.Sozial.VorOrt.


Information:

„Selbstständig durch die Krise“ ist ein Leitfaden und Arbeitsheft, welches Selbständige in ihrer Entscheidungsfindung unterstützt und in ihren Problemlösungsstrategien fördert, um gestärkt und unabhängig die vor ihnen liegenden Hürden überwinden zu können.

Ziel des Leitfadens ist, dass Sie als Selbständige klar eine Position und einen Weg für sich entwickeln, um ihr Unternehmen wieder auf einen guten Weg zu steuern und damit auch langfristig unabhängig von staatlichen Unterstützungen zu sein.

Online als Download auf der Homepage des Jobcenters und auch als Heft zu bestellen: https://www.jobcenter-lahn-dill.de/de/aktuelles/current_news/current_news_detail_1536.html


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